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Werte kennen, Herzinfarkt verhindern: Warum Prävention beim Blutfett beginnt – Prof. Ksenija Stach (HMU Potsdam)

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Werte kennen, Herzinfarkt verhindern – warum Prävention beim Blutfett beginnt

Zu Gast: Prof. Ksenija Stach (HMU Health and Medical University Potsdam, Klinikum Ernst von Bergmann) · Moderation: Christoph Nitz

Darum geht es in dieser Folge

Herzerkrankungen sind die Todesursache Nummer 1, doch 80 Prozent der Patientinnen und Patienten nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall verfehlen ihren LDL-Zielwert. Prof. Ksenija Stach, Professorin an der HMU Potsdam und Departmentleiterin am Klinikum Ernst von Bergmann, erklärt, warum LDL-Cholesterin der am besten beeinflussbare Risikofaktor ist, was Deutschland von den Registern in Schweden lernen kann und warum beim Screening nicht gespart werden darf – und weshalb ein Kinderscreening ab 6 Jahren die eine Maßnahme ist, die sie Gesundheitsminister Carsten Linnemann vorschlägt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zielwert: Die europäischen Leitlinien sehen nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall einen LDL-Zielwert unter 55 Milligramm pro Deziliter vor. 80 Prozent dieser Patientinnen und Patienten erreichen ihn nicht.
  • Warum LDL: LDL-Cholesterin ist der am besten beeinflussbare Risikofaktor – ohne LDL-Cholesterin kein Plaque in der Gefäßwand. Dazu kommen Blutdruck, Diabetes und ungesunder Lebensstil. Der erste Schritt ist, die Werte zu messen.
  • Check-up 35: Nach Stachs Angaben nehmen ihn nur 30 Prozent der Bevölkerung wahr, weil die Information zu wenige Menschen erreicht.
  • Register: In Schweden werden alle Patientinnen und Patienten nach einem Herzinfarkt erfasst, mit Unterstützung der Politik. Die Kliniken werden mit ihren Ergebnissen beim LDL-Zielwert in der Zeitung aufgeführt; die Besten werden ausgezeichnet, der Letztplatzierte muss bei ihnen lernen.
  • Netzwerk: In Potsdam hat ein niedergelassener Kollege, der auch bei Kindern das Cholesterin misst, ein Kompetenznetzwerk aufgebaut. Bezahlt wird es von niemandem.
  • Aufklärung: Wearables zählen Schritte, messen Herzfrequenz und Blutdruck und schreiben ein EKG. Das Thema Cholesterin leidet unter Fernsehsendungen, die die Warnungen als Humbug abtun; Lipoprotein(a) findet dagegen Aufmerksamkeit. Hausärzte und Kardiologen müssten an einem Strang ziehen.
  • Früherkennung: Beim Screening zu sparen, hält Stach für falsch – frühzeitige Prävention spare später Milliarden Euro. Ein Screening von Kindern ab 6 Jahren findet genetisch bedingte Fettstoffwechselstörungen früh und schützt zugleich einen Elternteil.
  • Apotheken und Patientenakte: Messungen von Blutdruck, Cholesterin und Langzeitblutzucker in Apotheken sieht sie positiv. Die Werte sollten in der elektronischen Patientenakte ePA erscheinen, samt Hinweis, sich ärztlich abklären zu lassen; eine Abfrage zur Familienanamnese könnte zum Check-up 35 einladen.
  • Nie zu spät: Auch beim 60-jährigen Hochrisikopatienten lohnt sich der Kampf um die Zielwerte – mit LDL-Senkung, Blutdruckeinstellung, Lebensstil und Reha.
  • Vorschlag an Gesundheitsminister Carsten Linnemann: Kinderscreening ab 6 Jahren und Aufklärung über Risikofaktoren in Kitas, Schulen und Studiengängen.

Kapitelmarken

  • (00:00) Begrüßung und Vorstellung
  • (01:45) Lücke zwischen Leitlinie und Versorgung
  • (03:04) Was der LDL-Wert über das Risiko sagt
  • (04:18) Register wie bei Krebs – das Beispiel Schweden
  • (05:57) Netzwerk in Potsdam – und wer es bezahlt
  • (06:51) Wearables, Cholesterin-Mythen und Lipoprotein(a)
  • (09:54) Sparen an der Früherkennung? Kinderscreening und Check-up 35
  • (12:49) Prävention ab der Kita – und der 60-jährige Hochrisikopatient
  • (14:59) Gesundheitsbewusstsein und soziale Unterschiede
  • (16:00) Was die ePA leisten könnte
  • (17:50) Eine Maßnahme für Gesundheitsminister Linnemann
  • (18:20) Was Hörerinnen und Hörer morgen tun sollten
  • (18:51) Verabschiedung und Abmoderation

Zitate aus der Folge

»Ohne LDL-Cholesterin kein Plaque. Das ist halt nun mal Fakt.«

»Wer bezahlt das? Na, niemand. Das machen wir letzten Endes, weil wir die Versorgung unserer Bevölkerung für richtig halten.«

»Wir müssen an einem Strang ziehen, Fakten auf den Tisch legen und nicht irgendwelche Märchen.«

Über Ksenija Stach

Ksenija Stach leitet seit Juli 2025 das Department für Endokrinologie und Diabetologie am Klinikum Ernst von Bergmann und ist Professorin für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie der HMU Potsdam. Zuvor leitete sie die Lipidambulanz der Universitätsmedizin Mannheim. Beim Kongress für Gesundheitsnetzwerker sprach sie im März 2026 über Investitionen in die Herzgesundheit.

Über das Klinikum Ernst von Bergmann

Das Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam ist ein Krankenhaus der Schwerpunktversorgung mit rund 1.000 Betten und rund 2.850 Mitarbeitenden und Praxispartner für das Medizinstudium an der HMU. Sein Department für Endokrinologie und Diabetologie behandelt Diabetes und Fettstoffwechselstörungen – beides zentrale Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall.

FAQ zur Folge

Warum ist gerade der LDL-Wert so wichtig? LDL-Cholesterin ist laut Stach der am besten beeinflussbare Risikofaktor: Ohne LDL-Cholesterin entsteht kein Plaque in der Gefäßwand. Wird der Wert gesenkt, lässt sich erneuten, aber auch ersten Herzinfarkten und Schlaganfällen vorbeugen. Blutdruck, Diabetes und Lebensstil gehören dazu – zuerst aber müssen die Werte gemessen werden.

Was macht Schweden anders? Dort erfassen Register alle Patientinnen und Patienten nach einem Herzinfarkt, unterstützt von der Politik. Die Kliniken werden mit ihren Ergebnissen beim LDL-Zielwert in der Zeitung aufgeführt. Die Besten werden ausgezeichnet, der Letztplatzierte muss bei ihnen lernen.

Warum ein Screening schon bei Kindern? Ein Screening ab 6 Jahren entdeckt genetisch bedingte Fettstoffwechselstörungen früh. Nach Stachs Worten gibt es keine andere Screening-Methode, die zugleich Kind und Elternteil vor einem kardiovaskulären Ereignis schützt.

Welche Maßnahme schlägt sie Gesundheitsminister Carsten Linnemann vor? Ein Kinderscreening ab 6 Jahren und Aufklärung über Risikofaktoren in Kitas, Schulen und allen Studiengängen.

Was sollten Hörerinnen und Hörer jetzt tun? Die eigenen Werte kennen: Blutdruck, Langzeitblutzucker, LDL-Cholesterin und Lipoprotein(a). Wer sie nicht kennt, lässt sie bei nächster Gelegenheit in der Hausarztpraxis bestimmen.

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