Nur die Hälfte geht zum Check-up: Was der EU-Safe-Hearts-Plan ändern kann – Dr. Janka Schulte-Michels (vfa)
Nur die Hälfte geht zum Check-up – was der EU-Safe-Hearts-Plan ändern kann
Zu Gast: Dr. Janka Schulte-Michels (vfa) · Moderation: Christoph Nitz · Podcast: EinBlick Nachgefragt – Gesundheitsmanagement der Berlin-Chemie
Darum geht es in dieser Folge
Der EU-Safe-Hearts-Plan ist der erste umfassende Strategieansatz der EU zur Bekämpfung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen – der häufigsten Todesursache in Deutschland und Europa. Er bündelt 10 Leitinitiativen von der Primärprävention bis zur Forschungsförderung, ist für die Mitgliedsstaaten aber überwiegend nicht bindend. Dr. Janka Schulte-Michels, beim vfa zuständig für Versorgungspolitik, erklärt, wie Deutschland dieses Momentum nutzen kann: durch bessere Check-ups, konsequente Behandlung bis zum Zielwert, geschlossene Versorgungslücken bei Adipositas und eine ePA, die Prävention aktiv unterstützt.
Das Wichtigste in Kürze
- Check-up-Frequenz: Deutschland (G-BA): einmalig zwischen 18 und 35, ab 35 alle 3 Jahre. EU-Empfehlung: jährlich ab 26 – mit Blutdruck, Blutfettwerten und Blutzucker.
- Teilnahme: Laut RKI gingen 2024 nur ca. 50 % der Berechtigten zum Check-up.
- LDL-Cholesterin: wichtigster Marker für Fettstoffwechselstörungen; der vfa empfiehlt die einmalige Bestimmung schon bei Kindern (U-Untersuchung) – ebenso ein Screening auf Typ-1-Diabetes.
- Ökonomie der Prävention: ROI von Grippeimpfungen älterer Menschen in Japan: 1:23. UK-Analyse: knapp 70 Mrd. Pfund Einsparpotenzial über 25 Jahre durch frühe Screenings und leitliniengerechte Behandlung.
- Zielwerte: Nur ca. 20 % der Hochrisiko-Patient:innen erreichen die empfohlenen Blutfett-Zielwerte.
- Adipositas: DMP vom G-BA entwickelt, aber mangels Vergütungseinigung nicht in der Versorgung; Arzneimittel fallen unter den Lifestyle-Paragrafen (§ 34 SGB V).
- DiGA: Bisher hat es keine einzige Monitoring-DiGA in das BfArM-Verzeichnis geschafft.
- vfa-Forderungen: Check-ups an die EU-Empfehlungen anpassen, das für 2026 angekündigte EU-Protokoll nutzen, Impfquoten steigern.
Kapitelmarken
- (00:00) Begrüßung und Vorstellung
- (02:15) Kann der EU-Safe-Hearts-Plan die Trendwende einleiten?
- (04:21) Prävention als Hebel für ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem
- (05:44) Check-ups in Deutschland vs. EU-Empfehlung – und die Rolle von LDL-C
- (09:43) Was Prävention wirtschaftlich bringt: Zahlen aus Japan, UK und von der WHO
- (12:44) Vom auffälligen Befund in die strukturierte Versorgung
- (15:18) DMP und Adipositas: Lücken in der Versorgung
- (18:12) DiGA: Anspruch, Erstattung, Praxisprobleme
- (19:59) ePA, digitaler Impfpass und Gesundheitsdaten
- (22:40) Fazit: Die Position des vfa
Zitate aus der Folge
„Prävention ist vielleicht nicht der eine entscheidende Hebel, aber einer der entscheidenden Hebel für ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem."
„Prävention darf nicht mit der Diagnose enden."
„Was nicht gemessen werden kann, das kann auch nicht geändert werden."
Über Dr. Janka Schulte-Michels
Dr. Janka Schulte-Michels ist Apothekerin und wurde an der Universität Bonn promoviert. Vor ihrem Wechsel zum vfa arbeitete sie in einer Bundesoberbehörde. Beim Verband verantwortet sie die Versorgungspolitik – eine Querschnittsaufgabe von der Arzneimitteltherapiesicherheit bis zu den Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Arzneimittelversorgung kennt sie aus drei Perspektiven: Apotheke, Regulierung und forschende Industrie.
Über den vfa
Der vfa ist der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland. Er vertritt 50 weltweit führende Hersteller mit rund 90 Tochter- und Schwesterfirmen. Die Mitgliedsunternehmen stehen für mehr als die Hälfte des deutschen Arzneimittelmarktes und beschäftigen hierzulande rund 100.000 Menschen.
FAQ zur Folge
Was ist der EU-Safe-Hearts-Plan? Der erste umfassende Strategieansatz der EU gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Er umfasst 10 Leitinitiativen – von der Modernisierung der Tabak-Rechtsvorschriften über ein EU-Protokoll für einheitliche Herz-Kreislauf-Check-ups bis zur Kampagne „Know Your Numbers“. Für die Mitgliedsstaaten ist er überwiegend nicht bindend, schafft aber politisches Momentum.
Wie oft zahlt die gesetzliche Krankenversicherung aktuell den Check-up? Zwischen 18 und 35 Jahren einmalig, ab 35 alle drei Jahre (G-BA-Richtlinie). Der EU-Plan empfiehlt dagegen jährliche Untersuchungen ab 26 Jahren mit Blutdruck, Blutfetten und Blutzucker.
Warum ist Prävention auch wirtschaftlich sinnvoll? Präventive Maßnahmen sind vielfach günstiger als die spätere Behandlung: ROI 1:23 bei Grippeimpfungen Älterer (Japan), knapp 70 Mrd. Pfund Einsparpotenzial über 25 Jahre (UK), dazu WHO-„Quick Wins“ wie die Tabaksteuer, die die Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen binnen 5 Jahren senken kann.
Was fordert der vfa konkret?
- Check-up-Untersuchungen an die EU-Empfehlungen anpassen. 2. Das noch 2026 erwartete EU-Protokoll für einheitliche Check-ups nutzen. 3. Die niedrigen Impfquoten – besonders bei Erwachsenen – steigern, denn Impfungen sind ein unterschätzter Faktor für die Herzgesundheit.
Links und weiterführende Informationen
- vfa – Die forschenden Pharma-Unternehmen: https://www.vfa.de
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA), Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie: https://www.g-ba.de
- Robert Koch-Institut (RKI): https://www.rki.de
- DiGA-Verzeichnis des BfArM: https://diga.bfarm.de
- Europäische Kommission – Gesundheit: https://health.ec.europa.eu
- [Bitte ergänzen: Deep-Links zum EU-Safe-Hearts-Plan, zur „Know Your Numbers“-Kampagne und zu den zitierten Studien (Japan/UK/WHO)]
Kontakt & mehr EinBlick
- Anregungen und Fragen: gesundheitsmanagement@berlin-chemie.de
- Alle Folgen und Formate: https://gesundheitsmanagement.berlin-chemie.de/einblick
- Für den schnellen Überblick empfehlen wir den „EinBlick Nachrichten“-Podcast
Schlagworte: EU-Safe-Hearts-Plan, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzgesundheit, Prävention, Check-up, LDL-Cholesterin, Impfquoten, elektronische Patientenakte (ePA), DiGA, Disease-Management-Programm (DMP), Adipositas, vfa, Berlin-Chemie
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