00:00:00: Einblick, der Podcast.
00:00:05: Willkommen beim Einblick-Podcast!
00:00:07: Der Podcast für den tieferen und dennoch knackigen Einblick in die relevanten Ereignisse des Gesundheitswesens der vergangenen Woche vom Gesundheitsmanagement der Berlin Chemie.
00:00:18: Heute ist der zehnte Juli, zwei tausend sechsundzwanzig.
00:00:23: Welche Themen standen in dieser Woche im Mittelpunkt?
00:00:33: Endspurt beim Kassen-Sparpaket.
00:00:36: Über den Zeitplan entscheidet am Ende Karlsruhe.
00:00:39: Pushnachrichten und Medikationsplan, die elektronische Patientenakte bekommt ein Update.
00:00:45: Der Gesundheitsnavigator der AUK macht die neuen Klinikleistungsgruppen sichtbar.
00:00:56: Womit fangen wir heute an?
00:00:58: Mit den Plänen der schwarzroten Koalition die Regeln für Krankschreibungen zu verschärfen.
00:01:03: Die telefonische Krankschreiben soll abgeschafft werden.
00:01:07: Zudem sollen Beschäftigte schon am ersten Krankheitstag ein ärztliches Attest vorlegen.
00:01:12: Bisher ist das erst ab dem vierten Tag Pflicht.
00:01:15: Bundeskanzler Friedrich Merz verweist auf die hohen Fehlzeiten, Die Arbeitgeberseite beklagt Lohnvorzahlungskosten von rund zweiundachtzig Milliarden Euro jährlich.
00:01:37: Wer hustet, eine Magen-Darm-Infektion hat gehört ins Bett und nicht in die übervolle Praxis.
00:01:43: Der Hausärztinnen und Hausärzteverband hält die Beschlüsse für eine absolute Katastrophe und erwartet eine welle administrativ bedingter Praxispesuche.
00:01:53: Auch die Bundesärztekammer widerspricht Die telefonische Krankschreibung habe sich bewährt.
00:01:58: Sie erspare Menschen mit leichten Infekten den Weg in die Praxis.
00:02:06: Kinder- und Jugendärztinnen sehen zudem einen Widerspruch zum geplanten Primärarztsystem.
00:02:12: Die Vorstandsvorsitzende des AOK Bundesverbandes Dr.
00:02:15: Karola Reimann hält die Abschaffung für reine Symbolpolitik.
00:02:31: Der Anstieg der Fehltage seit Jahrzehnteinundzwanzig erklärt sich vor allem durch Infektionswellen und die vollständigere Erfassung über die elektronische Krankmeldung.
00:02:44: Kurze Krankschreibungen von ein bis drei Tagen verursachen nur gut sieben Prozent aller Fehltages, Langzeitfälle ab sechs Wochen dagegen knapp vierzig Prozent.
00:02:54: Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung rät deshalb von einer generellen Abschaffung ab!
00:03:02: Schon heute darf die Arbeitgeberseite ein Attest ab dem ersten Tag verlangen.
00:03:06: Es vorzuschreiben, hält Weber für unnötig.
00:03:09: März relativiert inzwischen.
00:03:11: Betriebe könnten per Vertrag oder Betriebsvereinbarung von der Attestpflicht abweichen.
00:03:23: Zurück zu den Praxen.
00:03:25: Die Erstbefüllung der elektronischen Patientenagde EPA bleibt abrechenbar.
00:03:30: Der Bewertungsausschuss hat die Ziffer kurz vor dem Quartalswechsel bis Ende des Jahrtausends sechsundzwanzig verlängert.
00:03:36: Der Vorbehalt streicht der Bundestag mit dem Sparpaket die gesetzliche Grundlage, endet die Abrechnung vorzeitig.
00:03:43: Die E-PA selbst bekommt neue Funktionen.
00:03:46: Inzwischen informieren Pushbenachrichtigungen zum Beispiel über neue Entlassbriefe oder den Zugriff einer Praxis auf die Akte.
00:03:54: Ab Mitte Juli folgt der elektronische Medikationsplan in den Modellregionen Franken, Hamburg und Teilen Nordrhein-Westfalens.
00:04:01: Er ersetzt die Papierversion und erlaubt erstmals Nachträge etwa zur Dosierung oder zu rezeptfreien Medikamenten.
00:04:09: Noch dieses Jahr kommen die Volltextsuche und Datenausleitung für die Forschung.
00:04:14: Einen Haken gibt es!
00:04:16: Wer kein aktuelles Betriebssystem auf dem Smartphone hat, hat seit Anfang Juli keinen mobilen Zugriff auf die Akte.
00:04:22: laut Verbraucherzentrale Bundesverband womöglich jede fünfte Person.
00:04:27: Allerdings gibt es inzwischen für alle Betriebssysteme auch einen Desktopzugang und die Telekom bringt ihren TI-Messenger in die Krankenhäuser, sichere Echtzeitkommunikation über Sektorengrenzen hinweg ohne Installation im Browser mit Schnittstelle für Bots und künstliche Intelligenz.
00:04:51: Mehr Transparenz bei der Klinikwahl.
00:04:54: Als erstes Krankenhaussuchportal in Deutschland zeigt der Gesundheitsnavigator der AOK jetzt an, welche Leistungsgruppen den Kliniken in Nordrhein-Westfalen zugewiesen sind.
00:05:04: Die sixty vier Gruppen sind mit Qualitätsanforderungen verknüpft und gelten als Blaupause für die bundesweite Krankenhausreform.
00:05:12: Patientinnen und einweisende ÄrztInnen sollen so vor planbaren Eingriffen leichter die passende Klinik finden.
00:05:19: Zusätzlich zeigt das Portal für dreizehn Eingriffe Auswertungen zur Behandlungsqualität auf Basis von Routinedaten.
00:05:27: Dass die Zuweisung wirkt, zeigt eine Auswertung für den aktuellen Krankenhausreport.
00:05:32: Die Zahl der Standorte für Hüftimplantationen ist in Nordrhein-Westfalen und knapp die Hälfte gesunken.
00:05:38: Bei Krebsoperationen an der Speiseröhre sank sie um gut sechzig Prozent.
00:05:43: Vorstandsvorsitzende Reimann erwartet dadurch bessere Behandlungsergebnisse und mehr Patientensicherheit.
00:05:50: Sie finden den Link zum Gesundheitsnavigator der AOK in den Show-Nodes.
00:06:00: Bleiben wir bei den Kliniken!
00:06:03: Sie standen im Zentrum der letzten Verhandlungen über das Sparpaket für die gesetzliche Krankenversicherung GKV.
00:06:09: Für heute Vormittag war die Schlussabstimmung über das Beitragsstaatsstabilisierungsgesetz von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken angesetzt.
00:06:17: Erst Bundestag, direkt danach Bundesrat – beide zum letzten Mal vor der Sommerpause!
00:06:23: Ob es dazu kam, war bis Redaktionsschluss dieser Folge offen.
00:06:26: Grüne und Linke wollten die Abstimmung per Eilklage in Karlsruhe stoppen.
00:06:32: Union- und SPD hatten sich zuvor auf sixty vier Änderungsanträge verständigt um das Paket durchzubringen.
00:06:39: Den Ländern kommt der Bund vor allem bei den Krankenhäusern entgegen.
00:06:43: Die Pflegepersonalregelung PPR-II.n wird nicht verpflichtend eingeführt, das Pflegebudget bleibt übergangsweise erhalten.
00:06:52: Bis Jahresende soll eine Arbeitsgruppe ein neues Konzept für die Finanzierung der Pflegepersonalkosten erarbeiten, dass ab dem Jahr zwanzig GEREIFT.
00:07:00: Am Tisch sitzen auch Pflegerat und Gewerkschaften.
00:07:04: Zusätzlich stellt die Bundesregierung den Kliniken jährlich siebenhundfünfzig Millionen Euro mehr in Aussicht.
00:07:11: Unions-Fraktionschef Jens Spahn erklärt, man sei dem Bedenken entgegen gekommen.
00:07:16: Den Kurs verteidigt er!
00:07:17: Wenn wir weniger Geld geben muss es mehr Flexibilität beim Personal geben können.
00:07:22: Die Union wirbt für schnelle Klarheit – die Umsetzung brauche Zeit bis Anfang twenty-sevenundzwanzig.
00:07:29: Es liege ein faires Paket vor auch für Bundesländer.
00:07:34: Manchen reicht das aber nicht.
00:07:35: Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi will Tariflohnsteigerungen der Kliniken zu seventy-fünf statt der geplanten fünfzig Prozent refinanziert sehen.
00:07:45: Mecklenburg-Vorpommern drohte sogar mit einer Blockade im Bundesrat.
00:07:49: Bis zuletzt verhandelten Kanzleramt, Länder und Ministerin wagen deshalb über eine Protokollerklärung – im Gespräch die gerade erst verschärften Klinikprüfquoten später wieder zurückzunehmen.
00:08:01: Die Länder rechnen mit gut vier Milliarden Euro Klinikdefizit und fordern mindestens eine Milliardensumme vom Bund.
00:08:08: Auch für die Pharma-Branche gibt es Änderungen.
00:08:11: Statt der geplanten Dynamisierung steigt der Herstellerabschlag für patentgeschützte Arzneimittel dauerhaft auf fünfzehn, fünf Prozent – mehr als eine Verdopplung.
00:08:21: Impfstoffe trifft ein zusätzlicher Abschlag von neun Prozent plus Preismoratorium bis zwei Tausend dreißig.
00:08:28: Eigentlich sollten Hersteller, die ihre Wirkstoffe in Deutschland produzieren vom erhöhten Abschlag befreit werden – ein Anreiz für heimische Produktion.
00:08:37: Diese Ausnahme ist gestrichen.
00:08:38: der volle Abschlag gilt damit zunächst für alle.
00:08:42: Die Industrie hatte den Druck zuletzt massiv erhöht.
00:08:44: Johnson und Johnson will Markteinführungen in Deutschland prüfen, sollten die Einsparungen kommen.
00:08:50: Der Bund reduziert die Kürzung des Bundeszuschusses.
00:08:53: Statt um zwei Milliarden Euro singt er im kommenden Jahr nur um knapp eineinhalb Milliarden.
00:08:59: Gegenfinanziert wird das über die geplante Steuer auf zuckergessüßte Getränke.
00:09:03: Für Grundsicherungsempfängerinnen zahlt der Bund künftig rund eine Milliarde Euro, ursprünglich waren nur zweihundertfünfzig Millionen geplant.
00:09:12: Bei der Mitversicherung von Ehepartnerinnen sinkt der geplante Zusatzbeitrag auf zwei Komma fünf Prozent.
00:09:18: Ausgenommen bleiben Eltern mit Kindern bis einschließlich elf Jahren, ursprünglich lag die Grenze bei sechs.
00:09:25: Für PatientInnen bleibt es bei höheren Zuzahlungen für Medikamente.
00:09:37: Ab Jahrzehnte kommen jährlich zwei zusätzliche Eingriffe mit verpflichtender Zweitmeinung dazu.
00:09:43: Etwa Hüftgelenkersatz und Wirbelsäulen-Operationen.
00:09:46: In den Praxen entfallen die Hygienezuschläge, extra budgetäre Leistungen wandern zurück in die gedeckelte Gesamtvergütung.
00:09:54: Bei Kataraktoperationen wird die Vergütung überprüft.
00:09:57: Trotz aller Zugeständnisse bleibt der Widerstand groß.
00:10:00: Grünen Parteichef Felix Banajak nennt das Verfahren stümperhaft!
00:10:05: Kurzfristig seien mehr als sechszig Änderungen auf zweihundert achtundsiebzig Seiten eingegangen.
00:10:11: Der grünen Gesundheitspolitiker Janosch Damen und der linken Abgeordnete Arthes Gürpina haben Eilklagen eingereicht, Vorbild ist das Heizungsgesetz Das Karlsruhe im Sommer zwei-tausenddreiundzwanzig kurzfristig von der Tagesordnung nahmen.
00:10:26: Damenurteid des Gesetz scheitert bereits an seinem eigenen Anspruch.
00:10:30: Er erwartet längere Wartezeiten und wirtschaftliche Probleme der Kliniken.
00:10:35: Die Deutsche Krankenhausgesellschaft DKG fordert die Länder sogar auf, das Gesetz per Vermittlungsausschuss zu stoppen.
00:10:42: In einem offenen Brief warnt sie – Das Gesetz entziehe den Kliniken rund dreißig Milliarden Euro bis zwei-tausenddreißig.
00:10:49: Hundertvierzichttausende Beschäftigten drohen der Jobverlust!
00:10:53: Der GKV-Spitzenverband warnt vor dem Gegenteil.
00:10:56: Würden die Sparpläne aufgeweicht, werde es am Ende doch wieder für alle teurer und das Bundesgesundheitsministerium mahnt Die Finanzlage sei extrem kritisch.
00:11:06: Im kommenden Jahr gehe es um eine Lücke von rund neunzehn Milliarden Euro, das Paket schließe sie knapp!
00:11:24: Ein Blick in die Forschung – ein neuer Verbund um die Universität Erlangen-Nürnberg will das Erfahrungswissen von Pflegefachpersonen mit Sensorik erfassen und über humanoide Roboter an Auszubildende weitergeben.
00:11:37: Das soll den drohenden Wissensverlust in der Pflege bremsen.
00:11:41: Und in Bonn, Berlin und Freiberg entstehen digitale Zwillinge für die Intensivmedizin.
00:11:47: Patientenmodelle, die Risiken früher sichtbar machen und Therapieentscheidungen absichern sollen.
00:11:53: Künstliche Intelligenz rückt näher an die Versorgung.
00:11:59: Hat Ihnen die breite und bunte Palette an Nachrichten und Informationen gefallen?
00:12:03: Gerne können Sie unseren Podcast weiter empfehlen!
00:12:07: Schreiben Sie uns Ihre Anregungen und Fragen bitte an gesundheitsmanagement.de.
00:12:19: Wir freuen uns, wenn sie am nächsten Freitag wieder dabei sind beim Einblick.
00:12:22: Podcast vom Gesundheitsmanagement der Berlin Chemie.