00:00:00: Einblick nachgefragt.
00:00:05: Willkommen bei Einblick nachgefragt, dem Podcast mit Interviews und Gesprächen zum Gesundheitswesen vom Gesundheitsmanagement der Berlin Chemie.
00:00:14: Gemeinsam stark, das Gesundheitskollektiv Neukölln als Modell für die Zukunft der Primärversorgung.
00:00:22: Fachjournalist und Einblickredakteur Christoph Nitz spricht mit Dr.
00:00:26: Patricia Hähnel vom Gesundheitskollektiv Neukölln, kurz GECO.
00:00:30: Im Fokus steht die Frage, wie interdisziplinäre Teams und flache Hierarchien die hausärztliche Versorgung neu definieren.
00:00:38: Das Gespräch beleuchtet das innovative Konzept der Gemeinschaftspraxis, die Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen verschiedenen Gesundheitsberufen, die soziale Verantwortung im Kiez sowie die Herausforderungen und Chancen alternativer Praxismodelle im deutschen Gesundheitssystem.
00:00:54: Dr.
00:00:54: Patricia Hähnel ist Fachärztin für Allgemeinmedizin und Mitgründerin des Gesundheitskollektivs Neukölln.
00:01:01: Nach ihrer Ausbildung in verschiedenen Versorgungssettings entschied sie sich bewusst fĂĽr ein kollektives Praxismodell, das medizinische Exzellenz mit sozialer Gerechtigkeit verbindet.
00:01:12: Sie setzt sich fĂĽr eine Patientenzentrierte niederschwellige Versorgung ein und treibt die Vision einer demokratisch organisierten Gesundheitsversorgung voran, in der alle Teammitglieder gleichberechtigt Verantwortung tragen.
00:01:24: Das Gesundheitskollektiv Neukölln GECO steht für einen Paradigmenwechsel in der ambulanten Versorgung.
00:01:31: Als selbstverwaltete Gemeinschaftspraxis vereint das GECO hausärztliche, psychotherapeutische und sozialarbeiterische Kompetenzen unter einem Dach.
00:01:40: Mit seinem basisdemokratischen Ansatz, transparenten Gehaltsstrukturen und dem Fokus auf Gesundheitsförderung statt reiner Krankenbehandlung zeigt das Kollektiv, wie zeitgemäße Primärversorgung aussehen kann, inklusiv, interdisziplinär und fest im Kiez verwurzelt.
00:02:02: Schönen guten Tag, Frau Dr.
00:02:04: Hänel.
00:02:04: Ich freue mich, dass Sie Zeit fĂĽr den Einblick-Podcast finden.
00:02:07: Ja, schönen guten Tag und danke für die Einladung.
00:02:09: Gern.
00:02:10: Das Geco-Stadtteil Gesundheitszentrum wurde vor inzwischen zehn Jahren gegrĂĽndet.
00:02:16: Können Sie unseren Hörern kurz mal sagen, was die Grundidee war und wie es sich entwickelt hat?
00:02:22: Ja, sehr gerne.
00:02:23: Die Grundidee war, dass wir als gesundheitspolitisch und versorgerisch interessierte Gruppe uns die Lücken und Defizite in der Gesundheitsversorgung angeschaut haben und festgestellt haben, dass es für viele Gruppen von Menschen nur schlechte Zugänge zum Gesundheitswesen gibt und dass es zu wenig Angebote gibt, die tatsächlich das biopsychosoziale Thema integriert in den Blick nehmen.
00:02:55: und drittens unserer Gesundheitsversorgung fehlt an verhältnispräventiven Maßnahmen, also zu schauen, wie sich Lebensbedingungen auf Gesundheit und Krankheit auswirken.
00:03:10: Und diese drei Punkte zusammengenommen haben uns zunächst einmal dazu bewogen, dass wir uns im internationalen Bereich andere Modelle der Gesundheitsversorgung angeschaut haben.
00:03:21: Ganz explizit waren wir in Ă–sterreich, in Frankreich, in den Skandinavischen.
00:03:26: Ländern und in Kanada und dort das Konzept der Community Hearts Center oder Stadtteil Gesundheitszentren kennengelernt.
00:03:35: In unserer ersten Phase sind wir dankenswerterweise von der Robert-Bosch-Stiftung unterstĂĽtzt worden, die uns auch ganz lange begleitet haben, die ĂĽber die Initiative PORT auch in die Richtung Stadtteil Gesundheitszentren gedacht haben.
00:03:51: Und mit zunächst deren finanzieller Unterstützung haben wir angefangen, erste Beratungsangebote jenseits einer ärztlichen Versorgung im Stadtteil der Köln aufzubauen und sind dann Stück für Stück weitergegangen, haben unser Beratungsangebot ausgeweitet und schließlich eine kinderärztliche Praxis gegründet und dann eine allgemeinmedizinische Praxis.
00:04:14: Im Laufe der Zeit sind wir natürlich gewachsen, auch finanziell gewachsen sind dann Teil der Förderung des Landes Berlin geworden, was uns die Möglichkeit gegeben hat, dann eine Immobilie anzumieten, also im Rollberg, auf dem Gelände der Kindelbrauerei, ein Neubau, der dort entstanden ist.
00:04:33: Und da sind wir dann schlieĂźlich als der Neubau stand, mit allen Angeboten eingezogen und sind dort jetzt seither mit unserem Angebot vor Ort.
00:04:44: Wenn ich es richtig nachgelesen habe, sind dort inzwischen vierzig Menschen mit sehr vielfältigen beruflichen Hintergründen aktiv für das GECO.
00:04:53: Und wenn Sie den Hörerinnen und Hörern vielleicht außerhalb Berlinsnummer erklären, was ist so spannend an dem Standort und was sind so die Herausforderungen auch von dem Bezirk Neukölln.
00:05:04: Das ist ja einer der zwölf Bezirke der Metropole Berlin.
00:05:07: Sehr gerne.
00:05:08: Also die Herausforderung im Bezirk Neukölln ist, dass es einen sehr... bunter, diverser Stadtteil ist.
00:05:14: Wir befinden uns im Norden von Neukölln.
00:05:17: Ein altes Arbeiterviertel, letztlich von der Bausubstanz her zwischen zwei Kiezen, dem Räuberkiez und dem Flughafenkiez.
00:05:26: Der Räuberkiez ist ein Neubaugebiet aus den Siebziger, achtziger Jahren und der Fünkhafen-Kiez, der typische Berliner Altbau-Kiez mit Hinterhöfen und einer klassischen Altbausubstanz.
00:05:39: Beide Kiez sind sozial herausgefordert und haben einen groĂźen Anteil an Menschen, die in finanziell herausfordernden Situationen leben, in sozial herausfordernden Situationen leben, die unterschiedliche Zugangsbarrieren zum Gesundheitswesen haben, die, was die Gesundheitsparameter angeht, im Berliner Vergleich relativ schlecht dastehen, was die Anzer an chronischen Erkrankungen beispielsweise angeht oder die Anzer an bestimmten Vorsorgeuntersuchungen.
00:06:09: Und wir haben uns zur Aufgabe gemacht, die Barrieren fĂĽr diese Personen zu reduzieren und denjenigen eine bessere Gesundheitsversorgung zur VerfĂĽgung zu stellen.
00:06:20: als sie es normalerweise bekämen.
00:06:22: Die Herausforderung ist die, dass wir Gesundheit nicht nur als körperliches Problem sehen, sondern immer das soziale und psychologische mit einbeziehen.
00:06:30: Und gerade diese Zielgruppe hat eben halt häufig komplexe Herausforderungen, sodass soziale Probleme mitunter auch die Kapazitäten für Gesundheitsthemen reduzieren.
00:06:40: Und wir versuchen genau diese komplexe Situation dadurch zu begegnen, dass die Personen bei uns die Möglichkeit haben, sich gesundheitlich versorgen zu lassen.
00:06:48: aber auch gleichzeitig eine soziale Beratung und eine psychologische Beratung und auch weitere Vernetzungsmöglichkeiten mit anderen, durch selbst der Vergruppen beispielsweise, aber auch durch die Möglichkeit, in unserem Café zu arbeiten oder dort Zeit zu verbringen und andere Menschen kennenzulernen.
00:07:03: Also sehr, sehr unfassendes Angebot.
00:07:05: Was die Herausforderung ist, ist, dass das in deutschem Gesundheitswesen eigentlich nicht gibt.
00:07:09: Also so einen breiten Blick auf Gesundheit, was fĂĽr uns bedeutet, dass wir quasi jedes einzelne Teil dieses komplexen Angebots.
00:07:17: einzeln finanzieren müssen und jeweils auf verschiedene Finanztöpfe zugreifen müssen, was ewiger Struggle ist, um Fördergelder, Finanzierung, um langfristige Sicherheit.
00:07:31: Gleichzeitig, aber muss ich noch betonen, dazu ist es so, dass jeder, der zu uns kommt und da unterscheiden sich weder die politischen Parteien in weitestgehend noch andere Akteure.
00:07:40: Das ist eigentlich ein hoch sinnvolles und total wichtig und zu imitierendes Modell betrachtet, was denn dazu geführt hat, dass in Berlin zum Beispiel ein spezielles Förderprogramm aufgelegt wurde, nur für Stadtteil Gesundheitszentren mit dem GECO als quasi Formengeber dafür.
00:07:58: Oder insofern habe ich die groĂźe Hoffnung, dass sich das StĂĽck fĂĽr StĂĽck durchsetzt, dass das eine gute Form der Premierversorgung ist.
00:08:04: Genau, Sie hatten im Nebensatz das Kaffee erwähnt.
00:08:07: Wenn ich bei Ihnen in das G-Corps reingucken komme, dann ist er zunächst mal diese Niedrigspälle geangebotet, ist auch, wie Sie es vorhin beschrieben haben, natürlich die Barrieren für bestimmte Klientel mindern soll und so quasi einen stressfreien Zugang zur Gesundheitsversorgung ermöglichen soll.
00:08:23: Erläutern Sie doch nochmal kurz dieses Herzstrick des Konzeptes und auch die kurzen Wege, die Sie in Ihrem Zentrum haben und welche sinnvolle Aufgabe dieses Instrukt genau erfüllt.
00:08:34: Kaffee kann der erste Weg sein, für Menschen zu uns ins Zentrum zu kommen und ist insofern ein barriereamatsurungsweg als das jemand, der oder die unsere Versorgungseinrichtung kennenlernen möchte, einfach ins Café gehen kann und dort einen Kaffee trinken.
00:08:49: Und das ist ja etwas, was man normalerweise, wenn man mal eine Arztpraxis kennenlernen will oder einen Beratungsangebot kennenlernen will, man geht ja nicht einfach hin und sagt, ich wollte mal gucken, was hier so ist und wie ihr so drauf seid.
00:08:59: Und insofern kann jeder ins Café kommen und quasi anonym sich einmal umschauen und schauen, ob die Menschen, die dort arbeiten, für ihn oder sie irgendwie Vertrauenspersonen sind und man sich vorstellen kann, hier länger mehr Zeit zu verbringen oder Angebote anzunehmen.
00:09:14: Das ist erstmal der Zugangsweg.
00:09:17: Zugleich ist das Café aber auch ein Ort, der ganz viele Veranstaltungen stattfinden, also wo sich Gruppen treffen, die dort in unseren Räumen immer herzlich willkommen sind und auch kostenfrei dort selbst für Gruppen oder andere Nachbarschaftsinitiativen durchführen können.
00:09:33: So kommt man auch so ein bisschen an dieses Zentrum heran.
00:09:35: Dann arbeiten im Café Personen, die sich mit den Angeboten bei uns im Zentrum sehr, sehr gut auskennen.
00:09:41: Und wenn es denn zu ersten Gesprächen kommt, auch sagen können, Mensch, wir haben hier dies und jene Beratungsabbot.
00:09:47: Willst du dir das nicht mal angucken oder soll ich dich mal hinbringen?
00:09:50: Und da bin ich beim nächsten Punkt beim Hinbringen.
00:09:53: Oft ist es ja schon quasi auch Barriere, irgendwo hinzugehen, wo man niemanden kennt und sich anzumelden.
00:10:00: fĂĽr eine Beratung beispielsweise.
00:10:03: Und wenn man denn schon mal im Café Kontakt geknüpft hat, dann ist es viel, viel einfacher zu sagen, komm, wir gehen da mal zusammen hin.
00:10:08: Ich stelle dich mal vor, das ist eine Person, der vertraue ich, die macht eine gute Sache, sodass man quasi Vertrauen im Café aufbauen kann und dieses Vertrauen so Art wie mitnehmen kann.
00:10:18: Und dann fĂĽr die Leute, das Gleiche da ist, zum Beispiel zur Beratung oder zur Sozialberatung gehen, was ja oftmals auch so mit Scham irgendwie... verbunden ist und genau macht das den Weg leichter.
00:10:29: Wir haben jetzt im Café ein neues Projekt gestartet, das heißt Social Prescribing.
00:10:34: Da können auch Menschen, die in den Arztpraxen behandelt werden und in den ärztlichen Praxen herauskommt, dass dort soziale Herausforderungen oder andere Herausforderungen gibt.
00:10:44: Die bekommen wie ein soziales Rezept, also quasi die Verordnung von der Ärztin oder vom Arzt zu sagen, hey, Das, was ich dir hier bieten kann, ist eigentlich gar nicht das, was du brauchst.
00:10:53: Du brauchst SozialunterstĂĽtzung, du brauchst Gemeinschaft, du brauchst Gruppenangebote.
00:10:58: Geh mal runter ins Café, da sitzt die sogenannte Linkworkerin und die nimmt dich und interviewt dich und schaut einmal, welche anderen Möglichkeiten jenseits der klassischen ärztlichen Versorgung es gibt und vermittelt dorthin.
00:11:11: Ja, vielen Dank.
00:11:12: Sie erwähnten, dass Sie aus vielen Töpfen sich finanzieren, kommen wir doch zu dem Innovationsfondsprojekt, das glücklicherweise ermöglicht wurde, bevor die Kassen des Innovationsfonds, des GWA, etwas erleichtert wurden.
00:11:26: Sie haben das Innovationsfondsprojekt Navigation aufgesetzt und es soll sich mit Rimärversorgungszentren beschäftigen und wie diese quasi die Prävention und die gesamte Versorgung verbessern könnten.
00:11:39: Könnten Sie uns zahlen bisschen... Einblick geben, was da genau getan wird bei Ihnen.
00:11:44: Ja, gerne.
00:11:44: Das Innovationsformprojekt, das war für uns ein großes Ziel, weil wir wissen, dass die Aufnahme in die Innovationsform oder in die Innovationsformförderung so ein bisschen wie die Pipeline in die Regelversorgung ist.
00:11:56: Und das ist ja unser Ziel.
00:11:57: Also wir wollen ja nicht die nächsten zwanzig Jahre unsere Zeiten mit dem schreiben und administrieren von Anträgen verbringen, sondern mit der Versorgung.
00:12:04: Das heiĂźt, wir brauchen eine stabile finanzielle Situation.
00:12:08: Also haben wir gesagt, okay, wir brauchen den Innovform und haben dann einmal beantragt.
00:12:13: Das erste Mal haben wir es nicht geschafft.
00:12:14: Beim zweiten Mal sind wir dann angenommen worden und wir fĂĽhren dieses Projekt mit einer Partner-Einrichtung in Hamburg, die Polyklinik auf der Fettle durch, die in einem vergleichbaren Stadtteil in Hamburg das Parallelprojekt durchfĂĽhrt.
00:12:26: Wir arbeiten da sehr eng zusammen.
00:12:28: Und die Besonderheit bei Navigation ist, dass zusätzlich zu dem, was ich jetzt eben beschrieben habe, das Berufsbild des Community Heart Nursing dort neu eingeführt haben.
00:12:38: Community Heart Nursing sind akademisch fortgebildete Pflegekräfte, die in unserem Projekt tatsächlich die Steuerung der Patientinnen übernehmen.
00:12:46: Das heiĂźt, das sind die ersten Ansprechpersonen, die Menschen sehen, wenn sie zu uns ins Zentrum in die Versorgung kommen, bekommen dort ein relativ ausfĂĽhrliches Eingangsassessment.
00:12:56: werden dann entsprechend ihrer Bedarfe, und das ist ausgerichtet für Menschen mit biopsychosozialen Bedarfen, entsprechend ihrer Bedarfe von der Community Hearts Nurse in die verschiedenen Angebote hineingesteuert und kommen aber auch immer wieder zu CHN, die Abkürzung für Community Hearts Nursing, kommen immer wieder zu CHN zurück, die zusieht, dass sie die Informationen bündelt, dass sie die nächsten Schritte planen, dass sie gemeinsame Ziele besprechen, mit den Patienten gucken.
00:13:24: Ist das jetzt erfolgreich, was wir hier machen, nützt ihr das auf dem Weg zu deinem Ziel oder müssen wir da unsere Strategie ändern und begleitet die Patientinnen auf einem Fahrt durch unsere Versorgungsform hindurch?
00:13:35: Und das ist ein wichtiges Wesen des Innovations.
00:13:39: und ein weiteres wichtiges Wesen des Innovationsprojektes ist, dass wir standardisiert interprofessionelle Fallbesprechungen durchführen, so dass, wenn eine Situation komplex ist und komplexer wird, die beteiligten Berufsgruppen an einen Tisch setzen können, gemeinsam aus den verschiedenen Perspektiven betrachten, was steht jetzt eigentlich an, was sind die Hemmnisse?
00:13:58: und so verhindert, dass eine Profession ja doch immer mit ihrer Brille quasi auf den Fall hinauf schaut und die Themen sieht, die für Sie die wichtigsten sind, das Bild zu weiten und das miteinander besprechen zu können.
00:14:10: Das ist ja etwas, was in der Regelversorgung nicht finanziert wird und das kann man dann in seiner Freizeit machen, was in der Regel nicht geschieht.
00:14:16: Und wir haben jetzt das große Glück, dass wir dafür jetzt während des Innovations die Finanzierung haben.
00:14:21: Und unser Wunsch wäre natürlich, dass wir zeigen können, dass das hilfreich ist für die Versicherten und dass wir zunächst vielleicht über Zwischenverträge, aber perspektivisch gerne.
00:14:31: Und das ist ja unser groĂźer Wunsch.
00:14:33: Wir wollen ja Premierversorgung verändern.
00:14:35: Wir wollen sie verbessern, nicht nur fĂĽr uns, nicht nur fĂĽr unser Projekt, um unser Projekt am Leben zu halten, sondern wirklich, um insgesamt eine bessere Versorgung zu machen.
00:14:44: Deswegen ist unser groĂźes Ziel, dass ein Modell wie Premierversorgungszentren auch gesetzlich festgelegt ist und auch fĂĽr andere Gruppen ist.
00:14:50: leichter wird, später mal solche Zentren zu gründen.
00:14:54: Danke dafĂĽr.
00:14:55: Bei dem Innovationsfonds soll, wenn ich es richtig recherchiert habe, auch geforscht werden, wie man quasi die.
00:15:02: Aber als Bedingungen in Einrichtungen verbessern kann, denn man beobachtet ja, dass zum Beispiel Ärztinnen sich inzwischen mehr anstellen lassen wollen.
00:15:10: Da ist der Anteil stetig steigend.
00:15:13: Es wird bei jüngeren Nachwuchskräften eben auch mehr nach der Work-Life Balance gefragt und sonstige Dinge.
00:15:19: Sagen Sie unseren Hörerinnen doch mal, was da genau so das Ziel ist in diesem Innovationsfondsprojekt Navigation.
00:15:25: Also ist was die sagen, dass zum Beispiel Ärzte und Ärzte lieber angestellt sein wollen als selbstständig zu arbeiten.
00:15:31: Das wird bei uns sehr, sehr gut abgebildet, weil wir... Das Ziel haben, das funktioniert jetzt leider noch nicht so ganz, aber das Ziel sollte es wirklich Primärversorgungszentren inklusive Kassenärztlichen Versorgung geben.
00:15:42: Dann haben wir die Möglichkeit, alle Ärztinnen und Ärzte anzustellen.
00:15:46: Derzeit müssen einige der Ärztinnen und Ärzte noch selbstständig arbeiten, weil wir als Primärversorgungszentren nicht die Möglichkeit haben, Kassenarztsitze zu tragen.
00:15:54: Insofern können wir noch nicht alle anstellen.
00:15:57: Aber das ist unser Ziel, dass wir als Zentrum Träger der Kassenärztlichen Versorgung sein können.
00:16:02: uns arbeiten, wollen gerne angestellt sein und wollen bestimmte Aufgaben an andere Menschen abgeben.
00:16:08: Das ist letztendlich auch so ein bisschen das MVZ-Modell, dass man sagt, das Management wird verteilt.
00:16:13: Das wollen wir als GemeinnĂĽtzigerverein diese Verantwortung gerne ĂĽbernehmen.
00:16:17: Teilzeit, das sind alles wichtige Dinge.
00:16:20: Viel Selbstorganisation, das ist manchmal auch herausfordernd, aber für die meisten, die bei uns arbeiten, ganz, ganz wichtiger Punkt, dass sie sagen, ich bin Profi in meinem Gebiet, ich möchte mir nicht von irgendjemand anders... quasi in meine Arbeit hineinreden lassen.
00:16:33: Ich möchte viele Dinge selber entscheiden.
00:16:35: Bei uns kann man sehr viel selber entscheiden und sehr viele Dinge auch voranbringen.
00:16:39: Ganz wichtig ist das und das ist wichtig für die ärztlichen Praxen und das ist etwas, was wir uns ganz doll auf die Agenda geschrieben haben, dass ein großer Frust in bestimmten Arbeitsbedingungen ist, dass man mit Problemen konfrontiert ist, für die man keine Lösung findet.
00:16:52: Das heißt, wenn jemand in die klassische Arztpraxis kommt und eher ein soziales Problem hat, was soll denn die Ärztin oder der Arzt machen?
00:16:58: Die können ja nichts machen, die können dann sagen, Ich würde dir vorschlagen, zu dieser und jener Beratungsstelle zu gehen und man weiß ja mittlerweile, dass wenn Beratungen außerhalb des Ursprungssettings stattfinden, dass da keine zehn Prozent der Leute letztendlich ankommen.
00:17:11: Bei uns ist es dann so, dass man sagen kann, okay, du gehst jetzt eine Tür weiter und dort ist die und jene Beratung und die Überleitungsrate ist sehr, sehr hoch bei uns, sodass das für die Ärztinnen und Ärzte eine große Entlastung ist, zu sagen, ich kann mit den Leuten über psychosoziale Probleme sprechen.
00:17:28: Ich kann die ansprechen.
00:17:29: Auch wenn ich weiß, dass ich selber da jetzt nichts dran tun kann, aber ich weiß, dass ich die in gute Hände weitergehen kann, total entlastend.
00:17:37: Und ich weiß auch, dass wenn ich an dieser oder jeder Stelle nicht mehr weiterkomme, habe ich nächste Woche die Fallbesprechung.
00:17:42: Da kann ich die psychologische Kollegin fragen, was kann man hier an der Stelle am besten tun?
00:17:47: Was wĂĽrdest du vorschlagen?
00:17:48: Kann ich dich mal hinzuziehen?
00:17:50: Also sozusagen das M. Das Empowerment, die fachliche Versiertheit in der Behandlung ist viel viel höher und das führt zu einer erhöhten Arbeitszufriedenheit.
00:18:01: Und als letztes ist es, glaube ich, fĂĽr alle Leute oder fĂĽr die allermeisten, zumindest die Leute, die bei uns arbeiten so, dass es einfach nett ist, in einem groĂźen Team zu arbeiten, wo man zusammen Mittagessen kann.
00:18:10: Das Beziehung, man will ja gerne auf der Arbeit sein.
00:18:13: Man will nette Leute haben, mit denen man mal sprechen kann, auch ĂĽber andere Dinge.
00:18:17: Und in der Einzelpraxis ist das oft nicht der Fall.
00:18:46: Ampelkoalition, da dann eben die Mehrheiten nicht verhandeln waren.
00:18:50: Inzwischen haben wir eine groĂźe Finanzdebatte.
00:18:53: Was kann ĂĽberhaupt das Gesundheitswesen noch finanzieren?
00:18:57: Und wer soll es finanzieren?
00:18:58: Können Sie beschreiben, was an der Idee gut war und wie jetzt in Seiten von knappen Kassen vielleicht dann doch Ansätze gefunden werden können, um solche Konzepte breiter in der Bundesrepublik zu verankern?
00:19:11: Ich fand die Idee des Grundheitskiosk vom Prinzip her gar nicht verkehrt, niedrigschwellige Angebote bereit im Land anzubieten.
00:19:20: Das Problem an der ganzen Sache fand ich immer, dass die Verbindung zu der Regelversorgung.
00:19:27: Das heißt, was machen eigentlich die ärztlichen Praxen mit einem Gesundheitskurs, der vierhundert Meter von ihnen entfernt?
00:19:32: Das arbeiten die zusammen, rechnen die gemeinsam ab, tauschen die sich irgendwie aus.
00:19:36: Und ich glaube, das war das letztendlich, was auch die etablierten Angebote so ein bisschen abgeschreckt hat an der Sache, dass jetzt eine zusätzliche Institution dazukommt, von der man nicht genau weiß, wie sind die Verantwortung verteilt.
00:19:49: Aber prinzipiell denke ich schon, dass eine niederschwellige soziale und Präventionsberatung eine gute Sache ist, der Unterschied.
00:19:56: Wo wir denken, was wir besser machen, ist, dass wir die Beratungsangebote und die kassenärztliche Versorgung mit diesem Gesundheitskiosk unter einem Dach anbieten.
00:20:06: Jetzt sind wir.
00:20:07: unser Café, könnte man so sagen, ist quasi wie ein eingerieteter Gesundheitskiosk.
00:20:11: Mit kurzen Wegen finden wir das deutlich sinnvoller.
00:20:14: Was die Kosten angeht, muss man sagen.
00:20:16: Und da machen wir gar kein Heel raus.
00:20:18: Das, was wir machen, ist erst mal teurer als eine klassische Arztpraxis.
00:20:21: Bei anderen Berufsgruppen dabei sind die andere Dinge machen.
00:20:24: Aber was wir sehen jetzt auch in den ersten Entwicklungen im Inno-Form-Projekt, ist, dass, wenn man die Patientinnen und Patienten in ihrer Gesundheitskompetenz stärkt, gut in ihrer Resilienz stärkt, gut in präventive Angebote eingliedert, dass wir langfristig Krankenhausaufenthalte vermeiden können, Chronifizierung vermeiden können, Arbeitsunfähigkeit vermeiden können.
00:20:51: Wir arbeiten ja auch mit der deutschen Rentenversicherung zusammen im Inno-Fonds-Projekt.
00:20:56: Wir sagen, wir können die Menschen frühzeitig in der Reha leiten, bevor es schlimm wird.
00:21:02: Das, was wir machen, ist zunächst, aber das ist ja das... Unangenehme Wesen der Prävention, das ist ja zunächst immer einmal teurer als wenn man es nicht macht, hat aber langfristig Auswirkungen.
00:21:12: und wir sehen im internationalen Vergleich, dass Länder mit Premierversorgungsmodellen erfolgreich erfahren als... andere Länder erfolgreicher als Deutschland und dass Deutschland extrem teuer ist und schon jetzt mit seinen hohen Gesundheitsausgaben am Ende des Tages nur mittelprächtige Ergebnisse erzielt.
00:21:31: Es ist ja auch bekannt und wird durch die Medien rauf und runter diskutiert.
00:21:34: Wir denken, dass wir mit unserem Modell langfristig auf jeden Fall Kosten einsparen werden und wir werden sehen, ob wir auch kurzfristig Erfolge erzielen können, das wird die Innenverauswertung beschreiben.
00:21:46: Neben dem GECO gibt es ja auch weitere Stadtteilgesundheitszentren und sie haben sich zusammengefunden im Polyklinik Syndikat.
00:21:55: Es ist ein eigengetragener Verein als Dachverband für die Primärversorgungszentren.
00:22:00: Was machen Sie da?
00:22:01: Was sind so Ihre Ziele auch fĂĽr dieses Jahr, nachdem Sie ja jetzt auf zehn Jahre GECO zurĂĽckblicken?
00:22:07: Wo soll es insgesamt in diesem Dachverband hingehen?
00:22:10: Das Verband ist gegründet worden, um die Bewegung der Primärversorgungszentren zu stärken.
00:22:17: Wir haben gesehen, dass es viele Initiativen in vielen Städten gibt, die Interesse daran haben, im Primärversorgungszentrum aufzubauen und wir wollten, dass die Projekte, die fortgeschrittener sind, andere Projekte in ihrer Startphase unterstützen können.
00:22:29: und das mĂĽssen wir strukturell und organisatorisch gut aufbauen, sonst wird es ein Wildwuchs.
00:22:34: Das war unsere BefĂĽrchtung, dass ĂĽberall Zentren entstehen und jeder macht alles neu.
00:22:39: wie alle Fehler, die wir alle schon längst gemacht haben, auch noch mal, das wollten wir verhindern.
00:22:44: Das ist das eine, also Unterstützung und Förderung von neuen Zentren und gleichzeitig auch mit gemeinsamer Stimme zu sprechen.
00:22:52: Das heiĂźt, das Syndikat soll unsere gesundheitspolitischen Ideen verbreiten und sowohl in die Ă–ffentlichkeit als auch in die Politik tragen.
00:23:04: die Menschen ermutigen, die Initiative zu ergreifen, Primärversorgungszentren zu gründen.
00:23:08: Unser Ziel für die im Syndikat für die nächsten Jahre ist, wir sind ja die meisten Projekte im Syndikat sind eher städtischer Natur und wir wissen aber natürlich, dass die Versorgung in ländlichem Raum ganz hoch auf der Agenda steht, sodass wir uns vorgenommen haben, jetzt ländliche Projekte mehr zu unterstützen.
00:23:28: und auch zu initiieren und haben die Hoffnung, dass wir da sozusagen einen neuen Bereich betreten können, der, den wir bislang noch nicht so beackert haben.
00:23:35: Ja, zum Abschluss.
00:23:36: Was ist Ihr Wunsch in diesem völlig Gesundheitspolitik durchaus entscheidenden Jahr?
00:23:43: Mein Wunsch ist, dass im Rahmen der Diskussion über Primärversorgung und Steuerung und Prävention, was ja wichtige Themen sind, die wir uns stellen müssen, dass da die Institutionen Primärversorgungszentrum einen festen Platz bekommen wird, dass wir Zentren, wie wir sie aufgebaut haben, leichter gründen können und die Finanzierung, also einmal die Finanzierung von Kassenärztlicher psychologischer und sozialer Versorgung gebündelt werden kann in einer gemeinsamen Finanzierung und dass wir Primärversorgungszentren als zusätzlichen Leistungserbringer etablieren können, neben niedergelassenen Praxen und MVZ auch ein Primärversorgungszentrum gegründet werden kann und in der Lage ist auch krassenärztliche Versorgung anzubieten.
00:24:34: Ja, Frau Dr.
00:24:34: Heldl, vielen Dank und ich wĂĽnsche Ihnen alles Gute.
00:24:38: Danke sehr.
00:24:39: Wir
00:24:45: hoffen, dass Ihnen diese Ausgabe von Einblick nachgefragt gefallen hat.
00:24:49: Bitte schicken Sie uns gerne Anregungen und Fragen an.
00:24:52: Gesundheitsmanagement atberlin-chemie.de.
00:24:57: Sie finden unsere Kontaktdaten auch in den Shownotes.
00:25:02: Wir
00:25:02: empfehlen Ihnen für den schnellen Überblick der Trends im Gesundheitswesen, unseren Einblick Nachrichten Podcast sowie die vertiefenden Gespräche der Einblick nachgefragt Podcasts.
00:25:13: Alles im Netz unter gesundheitsmanagement.berlin-chemie.de.